Landratskandidat Karsten Fischkal ist besorgt!
Adelsdorfs Bürgermeister Karsten Fischkal zeigt sich besorgt über die aktuelle Entwicklung in der Hebammenhilfe. Nach einem ausführlichen Gespräch mit der freiberuflichen Hebamme Lisa List warnt er vor den Folgen des neuen Hebammenhilfevertrags, der seit November 2025 gilt. „Wenn eine Hebamme künftig statt acht Frauen nur noch vier zuhause betreut, dann ist das kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt.“, sagt Karsten Fischkal. Der Hintergrund: Bislang wurden viele Leistungen pauschal vergütet, künftig erfolgt die Bezahlung im fünf Minuten Takt.
Was als gerechtere Abrechnung gedacht ist, führt in der Praxis dazu, dass Hebammen für dieselbe Arbeit deutlich mehr Zeit aufwenden müssen, um auf das gleiche Einkommen wie vor dem neuen Hilfevertrag zu kommen. Lisa List erklärt dazu: „Nabelkontrollen sowie Besuche bei Mehrgebärenden finden selbstverständlich weiterhin statt. Sie sind jedoch aufgrund der kurzen Dauer wirtschaftlich weniger rentabel. Zudem weist sie darauf hin, dass der fünf Minuten Takt längere Besuche wirtschaftlich begünstigt, kurze Besuche jedoch benachteiligt."
„Wir Hebammen geben schon immer unser Bestes, um die Familien in unserem Landkreis bestmöglich betreuen zu können“, sagt sie weiter. „Unter den neuen Bedingungen wird es schwieriger, wirtschaftlich zu arbeiten. Am Ende bleibt es an den Familien hängen.“ Sie beschreibt die Lage nüchtern: „Ich liebe meinen Beruf und ich bin mit Herzblut dabei. Allerdings ist es unter diesen Bedingungen nicht möglich, weiterhin die gleiche Anzahl an Familien in der gleichen Zeit zu betreuen, wenn ich bei jedem Besuch mindestens vierzig Minuten bleiben muss, damit sich die Leistung rechnet.“
Der neue Hebammenhilfevertrag soll die Eins zu Eins Betreuung unter der Geburt stärken und fördern. Für viele Beleghebammen, insbesondere an größeren Kliniken, ist dies jedoch kaum umsetzbar. Je mehr Frauen sie gleichzeitig betreuen, desto geringer fällt die Vergütung pro Frau aus, trotz gleicher Verantwortung und gleichem Arbeitsaufwand.
Zudem sollen Familien trotz zunehmender Digitalisierung nicht mehr per Mail oder andere Kommunikationswege mit ihrer Hebamme in Kontakt treten. Nur ein Telefonat zwischen fünf und maximal zehn Minuten kann künftig mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Ein Foto zur schnellen Einschätzung oder eine kurze Rückfrage ist nicht mehr vergütungsfähig.
Bürgermeister Fischkal sieht darin einen weiteren Stolperstein für die häusliche Betreuung durch Hebammen. „Jeder von uns hat irgendwann eine Hebamme gebraucht, auch die Vertreter der Krankenkassen, die solche Entscheidungen treffen.“, betont er. „Unsere Familien brauchen Hebammen, sie brauchen Verlässlichkeit und faire Arbeitsbedingungen. Das scheint im Moment verloren zu gehen.“
Zwar liegt die Verantwortung in diesem Bereich bei der großen Politik, doch die Folgen spüren auch die Kommunen. „Wenn im ganzen Land rund fünfundzwanzigtausend Hebammen unter solchen Bedingungen arbeiten müssen, zeigt das, dass ihre Interessen bisher kaum Gewicht haben.“, so Fischkal. „Dabei tragen Hebammen eine enorme Verantwortung für das Wohl unserer Familien.“
Fischkal verweist in diesem Zusammenhang auf die Hebammenzentrale in Erlangen, die Stadt und Landkreis gemeinsam tragen. Sie sei eine wertvolle Einrichtung, die Hebammen entlastet und Familien verlässlich unterstützt. Allerdings könne selbst eine gut strukturierte Organisation langfristig nicht ausgleichen, wenn die Rahmenbedingungen für Hebammen weiter an Qualität verlieren.